Antifaschistischer Stadtrundgang durch Graz

Der antifaschistische Stadtrundgang zog Anfang des Jahres zahlreiche Interessierte an. Dabei stellte die Historikerin und Rechtsextremismus-Expertin Ines Aftenberger Orte vor, die zum rechten politischen Spektrum zählen. Sie sollen aufzeigen, an welchen Orten hier in Graz faschistisches Gedankengut verbreitet und gefördert wird.

Akademische Burschenschaft Allemannia

Akademische Burschenschaft Allemania

Burschenschaften dienten in der historischen Entwicklung immer als Kaderschmieden für den legalen und illegalen Rechtsextremismus, darunter auch für terroristische Strömungen im Neonazismus. Die Allemannia hat ihren Sitz gleich vor der Tür der KF Universität Graz, ist frei von den üblichen Skandalen, kommt kaum in Verruf und findet wenig mediale Beachtung. Dennoch zählt auch sie zum rechtsextremen Spektrum. 1874 gegründet und 1933 das Führerprinzip angenommen, schildert sie ihre eigene Geschichte so: „Die Allemania wurde in ihrer wechselhaften Geschichte von allen Regierungen und Machthabern wiederholt verboten, aufgelöst und enteignet.“ Diese Aussagen haben jedoch eine eigenartige Bedeutung, weil sie in den 30er-Jahren – wie die meisten Burschenschaften – Teil der illegalen nationalsozialistischen Bewegung war. Nach dem Anschluss wurden sie dafür entsprechend gewürdigt, wie das zum Beispiel 1938 geschah, als der Rektor der Universität Wien erklärte: „Der große Verdienst der deutsch eingestellten studentischen Korporationen Österreichs besteht darin, dass sie sich in der Zeit des Kampfes restlos in den illegalen politischen Aufbau eingefügt haben“. Die behördliche Auflösung im Jahr 1934 erfolgte deshalb, weil die Allemannia Teil des illegalen nationalsozialistischen Bewegung war. 1938 wurde sie aufgelöst, begrüßte aber diesen Umstand nur allzu sehr, da sie ja ab diesen Zeitpunkt in die NS-Kameradschaften und Altherrenbünde eingebunden wurde. Es war also eine freiwillige Selbstauflösung: „Der heiligste Traum unserer Jugend ist heute durch die kühne Befreiungstat unseres großen Führers erfüllt und wenn wir nun die Farben, die wir ein Leben lang in Ehren gehalten haben niederlegen, so tun wir es in dem Bewusstsein, dass auch sie ihren Sinn im großen Kampf um das deutsche Schicksal getan haben. Dass wir in diesen Kampf auf vorgeschobenen Posten gestanden sind und dass wir nun im Gefühl der erfüllten Pflicht abtreten dürfen um an einer neuen Entwicklung bedingungslos und vorbehaltlos mit unseren besten Kräften mitzuwirken.“ Ein Verbot kann das kaum genannt werden.

Als Kameradschaft Noreia existierte die Allemannia im nationalsozialistischen Studentenbund weiter und hat sich nach 1945 wieder gegründet, wo sie auch ihr Haus zurück erhielt. Seit 1954 nennt sich die Verbindung nun „Allemannia“ und zählt zum extrem rechten Eck. Als Teil des Dachverbands Deutscher Burschenschaften und des Dachverbands Burschenschaftlicher Gemeinschaft verbreitet sie sexistische und rassistische Gedanken.

Aula Verlag
Der Verlagsstandort der Aula gehört eher nicht zu den repräsentativen Vorzeigeorten der rechten Szene. Ganz unscheinbar befindet  sich dieser in der Merangasse 13 und publiziert neben Büchern auch monatlich die rechtsextreme Zeitung „Die Aula“, die geschichtsrevisionistische Aussagen verbreitet. Medieninhaber sind die der FPÖ nahestehenden Freiheitlichen Akademikerverbände (FAV) Österreichs. Eigentümer, Herausgeber und Verleger ist der Aula-Verlag. Seit Anfang 2004 ist Martin Pfeiffer Chefredakteur. Besonders 1995 fiel die Monatsschrift auf, weil der Artikel „Naturgesetze gelten für Nazis und Antifaschisten“ des damaligen Chefredakteurs Herwig Nachtmann den Holocaust-Leugner Walter Lüftl lobte undsomit gegen das NS-Verbotsgesetz wiederstieß und rechtskräftig verurteilt wurde. FPÖ-Politiker nutzen die Zeitung auch als Plattform und publizieren regelmäßig. Ansonsten kommen die Autoren aus dem burschenschaftlichen rechtsextreme Milieu und schreiben dort offen rassistische, geschichtsrevisionistische und antisemitische Beträge, die gegen die Demokratie und die Menschenrechte polemisieren.

Aula Verlag
Aula Verlag

Daneben betreibt der Aula Verlag auch noch einen Buchdienst und unterstützte in den letzten Jahren auch den Akademikerball.

Im Juni 2015 stellte die KFU die Aula für den großen Festkommers „200 Jahre deutsche Burschenschaft“, der von der ARGE Grazer Burschenschaften (dazu gehören u.a. Arminia, Frankonia, Allemannia, Mitglieder des Dachverbands Deutscher Burschenschaften) ausgerichtet wurde, zur Verfügung. Die Festrede hielt der Germania-Burschenschafter Axel Kassegger, der zugleich auch Vorstandsmitglied der Freiheitlichen Akademikerverbände ist. Um den Protesten dagegen zu entgehen, wurde diese Veranstaltung nicht öffentlich bekannt gegeben.

Akademische Burschenschaft Marko-Germania
In der Beethovenstraße 15 befindet sich die Germania. Sie diente als Schnittstelle zwischen FPÖ und Neonaziszene:

FPÖ-Klubobmann Armin Sippl ist ebenso Mitglied der Germania wie auch Stefan Juritz, der früher Ring Freiheitlicher Jugend-Bezirksobmann von Deutschlandsberg war, beispielsweise die Abschaffung des Verbotsgesetzes gefordert und in eine Gruppe steirischer Neonazis integriert war. Inzwischen ist Stefan Juritz Teil der Identitären und engagiertsich gegen Flüchtlinge. Ein weiterer langjähriger Akteur in der rechtsextremen und neonazistischen Szene, Richard Pfingstl, wurde aus der Germania ausgeschlossen. Bis 2009 war er Vorstandsmitglied des RFJ und 2012 wurdeerwegen Wiederbetätigung zu 12 Monaten auf Bewährung und wegen Körperverletzung zu drei Jahren unbedingter Haft verurteilt. Er hatte sich an einer brutalen Prügelei im Zeppelin beteiligt, einem Lokal im Univiertel, wo er gemeinsam mit weiteren steirischen Neonazis, Hooligans sowie einem RFJler und Burschenschafter eine Geburtstagsrunde angriff.

Akademische Burschenschaft Marko-Germania
Akademische Burschenschaft Marko-Germania

Außerdem wurde er verdächtigt, für Beiträge der neonazistischen Webseite Alpen-Donau.info verantwortlich zu sein, bisher hat es aber gegen die mutmaßlichen steirischen Betreiber der Homepage keine Anklage gegeben.

Akademische Sängerschaft Gothia
Ganz anders als die Germania und die Allemannia tarnt sich die Gothia in der Leonhardstraße 27 als heimatverbundene Sängerschaft, die sogar auch Frauen mitsingen lässt. Als Mitglieder sind trotzdem nur Männer zugelassen. Sie ist deshalb in dieser Szene so wichtig, weil sie über einen großen Veranstaltungssaal verfügt und so wichtige Infrastruktur zur Verfügung stellen kann. Dies nutzte Susanne Winter 2007 gemeinsam mit der FPÖ für ihre Hetzgeschichten „gegen die Islamisierung Europas“. Die Gothia kann also nicht als unpolitischer Gesangsverein gesehen werden, ganz besonders nicht, wenn man weiß, dass sie Mitveranstalter des Grazer Akademikerballs 2015 war.

Akademische Sängerschaft Gothia
Akademische Sängerschaft Gothia

Wichtiges Mitglied in Reinhold Reimann, der auch beim Alpenländischen Kulturverband Südmark aktiv ist, eine Organisation, die sich an der Grenze zwischen rechtskonservativ und rechtsextrem bewegt. Die Südmark pflegt eine enge Zusammenarbeit mit der Österreichischen Landsmannschaft, die vom DÖW zur Gänze als rechtsextrem eingestuft wird. Vortragende wie Richard Melisch und Walter Marinovic, die auch für die Aula Beiträge verfassen, wurden von der Südmark eingeladen.

Akademische Burschenschaft Arminia
Die Arminia liegt in der Sparbersbachgasse 51 und ist einer der aktivsten Burschenschaften von Graz. Sie hat sich 2015 an den Mobilisierungen gegen Flüchtlinge in Spielfeld und in Graz beteiligt. Ein prominentes Mitglied der Arminia war Ernst Kaltenbrunner, einer der 24 Personen, die im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher angeklagt und schuldig gesprochen wurde. Die Arminia hielt ihm auch nach 1945 die Treue.

Leopold Stocker Verlag
Dieser Verlag spielt nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland für die rechtsextreme Szeneeine große Rolle. Wenn man sich die Schaufenster ansieht, dann lassen sich nicht gleich rechtsextreme Publikationen finden, denn der Verlag achtet darauf, welches Bild er nach außen transportiert. Mit den Büchern zum Thema Landwirtschaft und Kochen macht er nämlich sein Geschäft und kann so andere Literatur mitfinanzieren.

Auch der Namensgeber des Verlags steht für die Ausrichtung des Verlags: Leopold Stocker gründete den Verlag 1917 und war zuerst überzeugter illegaler Nationalsozialist und Antisemit, wovon sich der Verlag nie distanzierte. Im Gegenteil: Der Verlag bekräftigt immer wieder das Erbe des Namensgebers. Nach dem Anschluss war Stocker für die Arisierung des Buchhandels in der Steiermark verantwortlich.

Quelle: http://www.stocker-verlag.com/der-verlag/der-verlag-die-geschichte.html
Quelle: http://www.stocker-verlag.com/der-verlag/der-verlag-die-geschichte.html

Während die eher harmloseren Kochbücher im Stocker Verlag erscheinen, werden politische und historische Texte mit dem 2005 gegründeten Ares Verlag veröffentlicht. Bei beiden Verlagsgruppen ist aber der Burschenschafter Wolfgang Dvorak-Stocker Verleger und Geschäftsführer.

Daneben gibt der Verlag noch die zwei Zeitungen „Sezession“ (hauptsächlich in Deutschland, wichtig für die Identitären) und die „Neue Ordnung“ heraus und finanziert die Homepage unzensuriert.at mit.

VON UNTEN war beim Spaziergang dabei und hat folgenden Beitrag gestaltet:

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